KI: Ja – Nein – Jein

Feuerstelle

KI – Das Angst- und Hoffnungsthema schlechthin. Je nach Betrachtungsweise. KI ist überall, auch in der Literaturszene. Und die Frage lautet nicht nur ›Wer kontrolliert wen?‹, sondern auch ›Wie gehe ich damit um?‹

KI – die Droge

Drogen machen süchtig, aber sie heilen auch. In meiner Ausbildung (lang ist’s her) zur Tierheilpraktikerin gab es bei der Verwendung von Naturheilmitteln einen wichtigen Merksatz:

Alles was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung.

Übersetzt: Hinterfrage alles, womit du umgehst oder was du weitergibst.

Die ›Künstliche Intelligenz‹ kann auch Segen sein: In der Medizin, in der Forschung, bei lebensgefährlichen Produktionsgängen … unendliche Weiten tun sich auf. Leider auch die des Missbrauchs.

Der Fluch ist eine Sintflut in Form von Fake News, Deep Fakes, Social Bots, Chatbots, Algorithmen … ich denke, wir alle kennen diese und andere Methoden, uns zu beeinflussen.

Die Sintflut ist in vielen Kulturen eine beliebte Drohkulisse, mit der Gott oder gleich mehrere Götter die Menschheit für ihre Verfehlungen bestraft. Merke: Die erste Wortsilbe ist nicht Sin wie Sünde aus dem Englischen, sondern Sint wie groß und unendlich aus dem Althochdeutschen.

KI – die Kontrolle

Aktuelle Interviews von KI-Entwicklern schüren die Angst des menschlichen Untergangs, da sich diese der menschlichen Kontrolle entziehen kann – oder bereits tut.

Optimisten verstehen das Risiko als reine Marketingstrategie, Autokraten mit Weltmachtsphantasien als Kriegswaffe, Kriminelle als Geldmaschine und der Rest als die Sintflut, die die Menschheit von diesem Globus tilgt. Ob vor oder nach der finalen Klimakatastrophe, dem finalen Krieg? Wer weiß das schon. Ich nicht, ihr nicht und um genau zu sein: Keiner.

Bevor ich mich und euch in diesem Untergangsszenario verliere, zurück zum Thema Kontrolle – aus Sicht des Literaturbetriebes:

Ein Literaturbetrieb besteht u.a. aus Autoren, Korrektoren, Lektoren, Designern, Verleger, Buchsetzer, Fotografen, Drucker, Buchbinder, Blogger, Leser … die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig.

Für alle gilt:

  • Kontrolle ist zwingend nötig. Doch was genau soll wo, wie und durch wen kontrolliert werden?
  • Übergreifende und situationsgerechte Regeln, an die sich alle Beteiligten zu halten haben.
  • Verständliche Kennzeichnungen, was KI-generiert ist und was nicht.
  • Verantwortlichkeiten vom Geschichten-Erfinder bis zum Geschichten-Konsumenten.

Geschichten-Erfinder

Wir Autor:innen stehen am Anfang – und am Ende der Nahrungskette.

Alles begann damit, dass der Mensch Erinnerungen hinterlassen wollte. Sei es das erste Höhlenbild, der weitergereichte Familienname, die wahre oder fiktionale Geschichte.

Am Anfang stand das Wort und das wollte publiziert werden. Zunächst mit Kohle an der Wand, dann auf Papier. Vom Stift zur Schreibmaschine zum Schreibprogramm zur KI.

Am Anfang der Nahrungskette

stehe ich mit meinem Wort und / oder Bild. Die nachfolgenden Bilder stammen von mir, die Umsetzung auch – mehr oder weniger:

Vom Höhlenbild zur KI: Bild 1 ist selbstgemalt, Bild 2 habe ich mit MS-Word gebastelt und Bild 3 hat die KI nach meinen Anweisungen erstellt. Bild 3 ist damit das Böse?

  • Ja, wenn es nicht als Fiktion erkennbar ist.
  • Nein, wenn es gekennzeichnet ist.
  • Jein, wenn es von der Aussage ablenkt.

Alle drei Bilder sind offensichtlich keine realen Fotos. Das erste Bild zeigt deutlich mein nicht vorhandenes Zeichentalent. Das zweite ist ein reales Bild (mit einer Strohpuppe), welches ich in einem Standard-Schreibprogramm so verändert habe, dass ich plakative Botschaften und ein seltsames Gefühl übermitteln konnte. Das dritte hätte auch ein Grafiker zeichnen können. Sie alle vereint ein hohes Maß an Provokation, denn wir stehen auch

Am Ende der Nahrungskette

Wir Autoren, Grafiker, Lektoren … (siehe meine Liste weiter oben) arbeiten mit Software und der Frage, wo fängt KI an und wo hört sie auf? Um das zu beantworten brauchen wir

Regeln. Nachvollziehbar, begründbar, kontrollierbar.

Beispiel: KI beim Cover, Klappentext, Keywords, SEO, Inhalt ..

Letztlich sind Autoren von einer Buchmesse ausgeschlossen worden, weil das Cover KI-generiert war, nicht jedoch der Text. Verlage setzen Software ein, die erkennen soll, ob ein Text mit KI geschrieben wurden. Spoiler: Tun sie nicht. Klassiker wie Frankenstein von Mary Shelley sind demnach KI-generiert. Pingel wie ich kontrollieren Texte mehrfach auf Rechtschreibfehler – obwohl die Prüf-Software sie damit als zu perfekt ansehen könnte. Die Angst auf beiden Seiten treibt einen dazu, die KI in jeder Form zu verteufeln oder einen Text fehlerhaft zu lassen, damit man nicht unter Verdacht gerät.

Worauf ich – endlich – hinauswill: Wir können weder den Fortschritt aufhalten noch verbieten. Verbote reizen dazu, sie besonders geschickt zu umgehen. Somit brauchen wir einen Rahmen, an dem wir uns orientieren können. Solange es den nicht gibt, sind wir Autoren selbst verpflichtet, bewusst und ehrlich mit den technischen Hilfsmitteln, die uns zur Verfügung stehen, umzugehen.

Mein persönliches Regelwerk

  • Jedes Wort und jeder Gedanke meiner Kommentare, Geschichten und Bücher kommen ohne jeglichen technischen Support aus meinem menschlichen Hirn.
  • Recherchen finden im Internet statt – Gemini ist abgeschaltet. Aber ich nutze Perplexity.AI (im abgeschalteten Trainingsmodus). Es spart wahnsinnig Zeit, wenn ich alle Flüsse und Kanäle zwischen London und der Küste vor Südengland im 17. Jahrhundert aufgezählt haben möchte.
  • Korrektorat erfolgt bei mir mittels drei Programmen (Word, Papyrus, Scribigo). CoPilot ist ausgeschaltet, dito Autokorrektur, nur Inline-Hinweise. Ob ich die Korrektur übernehme oder nicht, entscheide ich allein.
  • Das gleiche gilt für ein Inline-Lektorat (Scribigo). Diese Basis-Funktion ersetzt kein menschliches Lektorat, nennt mir aber Logikfehler wie zum Beispiel Flüsse, die Richtung der Highlands statt nach Süden fließen.
  • Niemals nie würde ich meine Sätze glattbügeln lassen – an meinen persönlichen Schreibstil lasse ich keinen ran.
  • Niemals nie hole ich mir technische Hilfe bei Plots, Umformulierungen, Beschreibungen – meine Worte gehören mir allein.

Fazit

Wenn wir etwas nicht verhindern können, müssen wir lernen, damit umzugehen. Alles über einen Kamm zu scheren hilft nicht, sondern polarisiert. Hintergrundwissen, Regeln, Ehrlichkeit, Empathie und Anstand – alles altmodische Wörter, denen viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte – sind die Basis einer guten Geschichte.

Für uns und unsere Leserschaft.

Übrigens: Meine Schreibblockaden löse ich erfolgreich auf einem Spaziergang mit Fell-Begleitung – und meiner Sprachmemo-App auf dem Handy.

Bearded Collie beim Sprung

In diesem Sinne, habt einen schönen Tag 😊

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